Dieses Land ist einfach zu groß, als das man als Verwaltung noch den Überblick behalten könnte. Zumindest scheint es so, wenn das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) ca. 1 Mio. Bundesbürger per Post nicht erreichen kann um ihnen ihre neue Steuernummer mitzuteilen. Dabei war die grundsätzliche Idee gar nicht so verkehrt – jeder Bundesbürger erhält eine Steuernummer, die er sein Leben lang behalten darf und unter der alle seine Einkünfte zusammengefasst werden. Klingt praktisch, ist es auch, vorausgesetzt, man hat immer daran gedacht auch alle Einkünfte dem Finanzamt gegenüber offen zulegen.

Wenn nicht, bliebe noch die Gelegenheit eines spontanen Umzugs, der angesichts des Durcheinanders sicherlich momentan nicht auffallen würde. So sind z.B. rund 150.000 Berliner Einwohner so spontan umgezogen, dass deren Post vom Finanzamt nicht zustellbar ist. Ähnliches führten vermutlich auch die 70.000 Münchner und rund 30.000 Düsseldorfer im Schilde, als sie hörten, dass die neuen Nummern unterwegs zu ihnen sind.

Der Städte- und Gemeindebund hat sich angesichts der Misere mit einem guten Ratschlag nicht hinter dem Zaun halten wollen und lies einen Sprecher verkünden, dass das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) einfach besser mit den Einwohnermeldeämtern zusammenarbeiten soll, um die Adressqualität zu verbessern. Rein betriebswirtschaftlich gesehen ein unsinniger Vorschlag, da dem Verwaltungsakt des Finanzamts Verwaltungsakt des Einwohnermeldeamts folgen würde, was doppelten Personalaufwand und eine erheblich verlängerte Bearbeitungszeit bedeuten würde. Eine bestens gefüllte und hoch aktuelle Datenbank fast aller Deutschen Adressen besitzt z.B. der ehemals staatliche Transportkonzern Deutsche Post, die ein solches Adressupdate allerdings nur gegen Geld vornimmt. Da Kostenstellen in der Kameralistik aber nicht vorkommen und eigenes Personal immer günstiger ist als eine schnelle effiziente Lösung werden wohl ein paar hunderttausend deutsche auch zukünftig sehnsüchtig auf den Nachbarn schauen, der seine persönliche Steuernummer schon hat.

Millionen beim Finanzamt verschollen?

Beitragsnavigation