Der Begriff Kreditkrise ist eigentlich falsch, besser wäre – zumindest aus meiner Sicht – Banken-Selbstverständnis-Krise. Lange Jahrzehnte sorgten Banken dafür, dass Unternehmen wie auch Unternehmer über ausreichend finanzielle Mittel verfügten um Investitionsvorhaben mehren zu können und dadurch den geschuldeten Geldbetrag inklusive Zinsen an die Bank zurück zahlen können. Das dabei entstehende Risiko gab die Bank in Form einer sich verändernden Zinshöhe an Kunden bzw. Schuldner weiter.

Kreditvergabe kein Kerngeschäftsfeld mehr?

Schaut man sich den Wirtschaftszweig Banken heute an, gewinnt man zwangläufig den Eindruck, dass die Kreditvergabe eigentlich nicht mehr zu den Kernkompetenzen gehört. Nicht nur kleinere Banken haben aufgegeben eigene Kredit zu verkaufen, auch größere Institute nutzen das Know-How der Konkurrenz um eigenen Kunden günstige Konditionen anzubieten und beinahe risikolos ein paar Prozente an der Kreditsumme zu verdienen.

Einen wesentlichen Beitrag zum Betriebsergebnis leisten mittlerweile die eigenen Handelsaktivitäten an der Börse und nicht selten – der Verkauf von Anlage- oder Versicherungsprodukten, die zwar aktuelle wie auch zukünftige Risiken abdecken mögen, aber leider jeglichen Spielraum für die Innovation und Investition des Geldgebers einschränken.

Kurzum: Die ohnehin vielfach gering ausgeprägte Deutsche „Mut zum Risiko“-Motivation wird zusätzlich durch Risikovermeidung der Banken gedämpft.

Unglücklicherweise bekommen Banken im Zuge der US-Hypotheken Krise zurzeit nicht mehr in dem Umfang Liquidität, wie noch vor ein paar Monaten. Wer bislang also auf einen günstigen Kredit vermittelt durch die Hausbank hoffen durfte, der wird zukünftig erhebliche Probleme haben einen günstigen Kreditgeber zu finden.

Wer profitiert von der aktuellen Situation?

Interessanterweise könnten die Profiteure dieser Situation „Innovation“ und „Rendite“ heißen. Mangels Kreditvergabemöglichkeiten und mittlerweile vielfach mangelnder Kompetenz bieten Banken keine Lösungen – es müssen also andere Geldgeber gefunden werden, die sich auf das Risiko einlassen möchten eine Unternehmung zu finanzieren. Dieser eigentlich der Private-Equity Branche vorbehaltene Wirtschaftsteil hat den Nachteil, dass auch diese Geldgeber unmittelbar von der Kreditvergabe der Banken abhängig sind.

Es könnte also dazu kommen, dass sich private Investorenpools finden um das Risiko auf entsprechend viele Geldgeber zu verteilen – wie dies z.B. bei Smava.de mit Konsumentenkrediten passiert – oder aber der fast schon tot geglaubte Wirtschaftsbereich geschlossene Fonds wieder an Bedeutung gewinnt. Hier werden einzelne Unternehmungen oder Projekte mit Hilfe der finanziellen Beteiligung vermögender Privatleute finanziert und realisiert.

Der Ausfall der Kredit gebenden Banken könnte also durch eine größere Beteiligung einzelner Anleger kompensiert werden sofern es hier zu vernünftigen Lösungsansätzen kommt. Aus der Krise entwächst demnach eine Chance – ob diese genutzt werden kann hängt auch von der Risikobereitschaft des einzelnen ab. Aber vielleicht ist sie ja gekommen, die Zeit von Innovation und Risikobereitschaft.

Kreditkrise – eine Chance für Privat-Anleger?

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