Sollte zufällig jemand außer mir die Zusammenfassung der Börsenwoche vor der ARD Tagesschau (ARD Börse im Ersten) gesehen haben, wird er vielleicht meine Verwunderung teilen und jetzt gemeinsam mit mir den Kopf schütteln, oder auch nicht. Diese Woche, so konnten wir zur besten Sendezeit sehen und hören, brachte vor allem eines – viel frisch gedrucktes Geld aus den USA. Die, so wurden wir aufgeklärt, haben das gedruckt, damit sie mit dem neuen Geld die alten Schulden begleichen können. Gut, oder besser schlecht sei das für die übrige Welt, denn die hätten ja die US-Staatsanleihen gekauft, die jetzt mit dem neuen Geld, welches weniger wert ist als das alte Geld wieder von den USA quasi gegen neue Staatsanleihen getauscht werden, welche jetzt allerdings weniger Zinsen bringen, da der Zentralbankzinssatz ja bei knapp über Null liege.

Im Plauderton zur Sachwerte-Empfehlung

 Während man dem geneigten Zuschauer also im Plauderton erklärte, was in den letzten Tagen passiert ist und welche Auswirkungen dies konkret haben wird, zog die Redakteurin den Bogen geschickt auf den finalen Punkt und erklärte kurzerhand, dass es also Inflation geben wird. Mit welchem Ausmaß der Privatanleger rechnen muss, wurde dabei gar nicht erst erwähnt, da just in diesem Moment der eigens herbei geeilte ARD-Experte befragt wurde: „Was machen unsere Zuschauer denn nun um sich gegen die Auswirkungen der Inflation zu schützen?“. Die Antwort (sie mag in ihrer Knappheit der kurzen Sendezeit geschuldet sein) lautete „Keine Staatsanleihen, sondern Sachwerte wie Immobilien und Gold kaufen“. Während in meinem Kopf noch die Worte nachschwangen muss sowohl der Redakteurin, wie auch dem Experten aufgefallen sein, dass man sich aktuell innerhalb der Börse Frankfurt befindet und dies nicht das passende Schlusswort zu einer Börsenwoche sein kann, also legte der Experte – nach einer gefühlt etwa eine Mikrosekunde zu langen Redepause – eilendes nach „und natürlich Aktien, denn die Unternehmen würde ja, wenn mehr Geld da ist auch wieder mehr investieren und verdienen, deshalb steigen die Preise für Aktien.“

Gold kaufen – Kann das wirklich eine Empfehlung sein?

„Aha“ dachte ich noch und schon kam die Schalte zur Werbung einer Versicherungsgruppe, die mittlerweile aus so vielen Versicherungen besteht, dass die Logos kaum noch in lesbarer Größe auf den Fernseher passen. „Aha“. So schlecht steht es also um die Wirtschaft tatsächlich, dass der ARD-Börsenexperte Gold zum Kauf empfiehlt.

Während ich das noch auf mich wirken lasse, stellt sich fast die Frage – sollte kurz-nachgedacht.de sich dem Trend fügen und die Tagesgeldrubrik zu Gunsten einer Gold & Sachwerte Rubrik einstampfen? Interessiert es überhaupt noch jemanden, wie hoch die Zinsen auf Tagesgeldkonten eigentlich sind?

Immobilien und Gold statt Anleihen

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