Betrachtet man die aktuelle Berichterstattung zum internationalen Finanzwesen und insbesondere die zum Zustand der isländischen Bankenwelt, kann einem definitiv angst und bange werden. Mit einem irgendwie verzweifelt anmutenden Versuch hat am gestrigen Tag die isländische Regierung die drei größten Banken des Landes, Kaupthing, Landsbanki und Glitnir mit Liquidität versorgt oder gar wie im Fall von Landesbanki mit sofortiger Wirkung verstaatlicht.

Vor allem Kaupthing dürfte bei Deutschen Kunden durch das attraktive Kauptingedge Tagesgeldkonto und Festgeldkonto Angebot zu einem Begriff geworden sein, nicht wenige werden sich nun fragen ob sie ihr Geld dort belassen sollen oder es besser sofort abziehen. Als selbst Betroffener kann man nur feststellen, dass Auszahlungen auch am heutigen Tag problemlos möglich waren, allerdings handelt es sich dabei auch um eine Summe, die keine Bank der Welt in irgendwelche Probleme stürzen sollte, will der Kunde sie abheben.

Was aber, wenn auf einmal europaweit Kunden auf die Idee kommen, dass Sie ihr Geld lieber einem anderen Finanzinstitut anvertrauen möchten? Dann könnte die Liquiditätslücke größer werden und die gestern zur Verfügung gestellten 500 Mio. Euro bei weitem nicht mehr reichen um die Auszahlungswünsche zu decken. Mit Blick auf das Finanzwesen kann daher den Kunden aller Banken, unabhängig ob isländisch, deutsch, niederländisch oder türkisch nur mit der Titelzeile der gestrigen TAZ Ausgabe begegnet werden: „Ruhe bewahren ist erste Bürgerpflicht“.

Island strebt keine europäische, sondern eine russische Lösung an

Welche Bank in welchem Zustand diese Krise überstehen wird ist zum momentanen Zeitpunkt ohnehin nicht absehbar, interessant wäre aber sicherlich die Frage wo die bis vor wenigen Monaten noch üppig vorhandene Liquidität eigentlich verschwunden ist. Rund 4 Milliarden Euro sollen aus Moskau zur Stützung des isländischen Finanzsystems beitragen, warum ausgerechnet Moskau zur Hilfe gerufen wird bleibt für Außenstehende allerdings rätselhaft. Sicherlich haben die hohen Öleinnahmen der letzten Jahre große Währungsvorräte entstehen lassen, die jetzt aktiviert werden können, dennoch scheint das nicht die angestrebte skandinavisch europäische Lösung zu sein, die die Regierungen in den letzten Tagen eigentlich auszuhandeln versuchten.

Erstaunlich bedeckt hält man sich auch in China, dem Staat mit den größten Devisenreserven der Welt. Über 1.000 Milliarden USD soll der chinesische Staatsfonds angesammelt haben, dass diese bereits investiert sind ist eher unwahrscheinlich, es scheint daher nicht unmöglich, dass irgendwann zur Rettung der Banken noch weiter im Osten gesucht werden muss.

So könnte es in Händen der aufstrebenden östlichen Industrienationen liegen ob in Island derzeit der lange kalte Winter Fimbulvetr oder gar die Götterdämmerung Ragnarök des Finanzsystems heraufzieht.

Fimbulvetr oder Ragnarök – Islands Banken vor dem Fall?

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