Was sich bereits seit einigen Jahren abzeichnet, aber noch niemals wirklich ausgesprochen wurde ist jetzt mitten im Hochsommer des Jahres 2009 Fakt. Die Deutsche Post wird sich nicht weiter damit begnügen einzelne Postämter zu schließen und an private Investoren abzugeben, es werden bis Ende 2011 alle Poststellen dicht gemacht. 475 dieser selbst betriebenen Deutsche Post Filialen gibt es derzeit noch im Bundesgebiet. Auch diese werden der neuen Strategie „Alle Last den Partnern“ in der Hoffnung geopfert, dass Kunden weiterhin gerne zwischen Kuscheltieren, Schreibheften und Dingen des täglichen Bedarfs ihre Briefpost-, Paket- und Bankgeschäfte erledigen.

Filialschließung ist vor Allem dem Wohl anderer geschuldet

Dankenswerter Weise verzichtet die Deutsche Post mit der Veröffentlichung dieser Entscheidung auf den Hinweis, dass das alles zum Wohle des Kunden geschehe. Obwohl. Denkt man genauer darüber nach könnte diese Argumentation natürlich durchaus vertreten werden, schließlich hat man als Kunde in der Warteschlange jetzt ja viel mehr Abwechslung und kann anstelle der früher so drögen Deutsche-Post-Formulareständer den eigenen Blick zwischen Zeitschriften, Malstiften, Plüschteddys und Schreibgeräten schweifen lassen.

Und darüber hinaus unterstützten viele Kunden während des Deutsche Post Partner-Agentur-Besuchs neben dem lokalen Einzelhandel auch das lokale Ordnungsamt. Die Frage „Viele Plätze in der Warteschlange habe ich verloren, wenn ich jetzt rausgehe die Parkuhr füttere hat schon so machen vor Gewissenskonflikte gestellt und das Ordnungsamt mit zusätzlichen „nein, ich stehe das hier durch“-Knollen beglückt.

Mitwirken der Kunden wird erwartet

Das bunte Allerlei der Partnerfilialen und die langen Schlangen vor den Schaltern haben durchaus System, schließlich sollen Kunden vermehrt Briefmarken einfach selbst am PC ausdrucken und lustige gelbe Blechkästen an belebten Straßenecken für den Paket- und Päckchenversand nutzen. Alles wahnsinnig modern und vor allem total ohne Personal zu bewerkstelligen, was es – zum Vorteil für den Kunden – natürlich 24h verfügbar und völlig ohne Anstehen benutzbar macht, wenn man sich als Kunden die Zeit nimmt die Anleitung „Einfach versenden mit der Deutschen Post“ zu lesen, an die besagte Ecke mit den gelben Kästen fahren kann und nebenbei über einen PC nebst Drucker verfügt, der die entsprechenden Briefmarken selbst herstellt.

Sorry, wenn ich jetzt hier ein bisschen altmodisch wirke, aber ich möchte meine Briefe, mein Paket aufgeben und transportieren lassen. Ich möchte das dies von Menschen getan wird die damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Ich möchte mich nicht zum Effizienz-Helfer der Post machen lassen die zum Versand notwendige Tätigkeiten auf Millionen Kunden umwälzt um das eigene Personal zu entlassen und dadurch „allen etwas Gutes zu tun“.

Zu glauben dass hier alle Kunden mitziehen grenzt an Überheblichkeit und die kommt bekanntlich vor dem Durchbruch der Konkurrenz.

2011 schließt letzte Deutsche Post Filiale

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