Ich bin BHW Bausparer und das schon ziemlich lange. Um exakt zu sein: Kunde seit 1984; in meinen aktuellen Vertrag zahle ich seit dem Jahr 2000 ein – damals brachte Microsoft das Betriebssystem Windows 2000 auf den Markt, nicht die Familienministerin, sondern der Kanzler trug den Namen  Schröder und der FC Bayern München wurde Deutscher Fußball Meister.

Ich war damals jung und voller Träume, wie sonst hätte ich eine Bausparsumme von 100.000 DM als sinnvoll ansehen sollen? Der Vertreter der damals noch selbstständigen Bausparkasse BHW fragte mich im Gespräch am Esstisch meiner Großeltern sogar: warum nur 100.000 DM? Na ja sagte ich: „ich muss das ja auch zur Hälfte einbezahlen bevor ich den Kredit abrufen kann.“ Damit war die Sache entschieden und unterschrieben. Die Abschrift erhielt ich wenige Tage später, einen Anruf ich möge doch bitte mindestens 1.000 DM einzahlen ein paar Wochen später. Warum? Nun, wenn ich das nicht tun würde, bekäme er seine Provision nicht. Irgendwie einleuchtend.

Am Anfang standen 78 DM

Seit 2000 zahle ich also in diesen Bausparvertrag. Zunächst 78 DM was damals der Höchstsumme der geförderten Vermögenswirksamen Leistungen entsprach, dann nachdem der Euro die Deutsche Mark ersetzte rund 40 Euro. Bausparen, das musste ich bald feststellen ist keine besonders lukrative Geldanlage für Sparer, denn während Freunde mit Festgeldanlagen selbst bei der Volksbank oder Sparkasse locker über 5% Zinsen pro Jahr erzielten, bekam ich 1,75% p.a. Zinsen auf meine Einzahlungen angerechnet und hatte dafür die vertragliche Zusage für günstigen Baukredit zu sobald der Bausparvertrag zuteilungsreif ist.

Selbständig? Kein Problem – zahlen sie einfach weiter ein

Dass ich nicht mehr Jüngste sein werde, wenn dieser Bausparplan zur Hälfte eingezahlt – also zuteilungsreif – ist, wurde mir bewusst, als ich nach fast 10 Jahren Berufstätigkeit in die Selbstständigkeit wechselte und überlege ob sich das mit dem Bausparen auch ohne die Vermögenswirksamen Leistungen eines Arbeitgebers noch lohnt. Der BHW Kundenservice vertrat schon damals eine ganz klare Meinung: „Sie machen sich selbstständig und bekommen keine VL mehr? Gar kein Problem, zahlen Sie doch einfach Beiträge Ihrer Wahl weiter“ sagte man mir auf meine Rückfrage am Telefon.

Gut dachte ich, dann muss ich vielleicht keine 38 Jahre einen Bausparvertrag einzahlen sondern kann durch höhere Beiträge früher an mein Ziel, den günstigen Kredit kommen. Wir schrieben damals das Jahr 2006, bekamen erstmals eine Kanzlerin und Deutscher Meister wurde wieder der FC Bayern.

Also zahlte ich weiter mindestens 12 x 78 DM im Jahr in meinen Bausparvertrag ein und verschwendete keinen Gedanken daran, dass man auf Festgeldkonten bei Direktbanken mittlerweile über 6% Zinsen p.a. bekommen konnte. Oder das Baugeldvermittler den einst günstigen Bausparzinssatz des BHW von 3,9% p.a. locker mitgehen, wenn man ein bisschen Eigenkapital mitbringt und die Immobilie ein vernünftiges Preis- und Leistungsverhältnis aufweist. Da hätte man gar keine 15 Jahre lang zu kleinem Zinssatz sparen müssen. Naja. Zeiten ändern sich – aber ich halte an meinem Bausparvertrag fest. Irgendwie gehört er mittlerweile zu mir, begleiten mich BHW Bausparverträge doch mittlerweile deutlich länger als mein halbes Leben.

Mit der Finanzkrise mutierte mein Vertrag zum Hochzinsangebot

Dann kam die Finanzkrise, die man wahlweise auch als Immobilienkrise, Wirtschaftskrise oder Sinnkrise der Finanzindustrie titulieren kann. In jedem Fall fluten nun nicht länger nur die Japaner die Märkte mit „billigem“ sprich fast zinsfreiem Zentralbank Geld, auch die Amerikaner und die Europäer machten irgendwann mit.

Die Kombination aus niedrigen Zentralbankzinsen und hoher Liquidität macht sich sehr bald bemerkbar:  Niemals zuvor war es in Deutschland günstiger einen Kredit zu bekommen – ob für eine Immobilie oder einen Konsumkredit – sei denn man ist Bausparer und hält sich an seinem Vertrag aus irgendwelchen Gründen weiter fest. Mittlerweile, wir schreiben das Jahr 2013, ist aus dem ehemals mickrigen Bausparzinssatz von 1,75% auch ein Hochzinskonto geworden – und der treue Kunde von Februar 2000 gerät damit in das Visier des Controllings.

„Nicht wirtschaftlich“ dürfte das Urteil über den Vertrag von 2000 lauten, den der mittlerweile seit 7 Jahren Selbstständige immer noch brav mit neuen Einzahlungen füttert obwohl er lange Jahre deutlich weniger Guthabenzinsen bekommen hat als alle anderen, niemals eine Wohnbauförderung beantragt hat und mit diesem Vertrag im Jahr 2013 (in dem der FC Bayern … naja) deutlich mehr Bauzinsen bezahlen müsste als alle anderen. Eben weil sich die Welt weitergedreht hat und er immer noch 100.000 Deutsche Mark in 78 Deutsche Mark plus ein paar Mark extra Schritten in seinen Bausparvertrag einzahlt.

Zuzahlung verboten!

Diese paar Mark extra sind es, mit deren Einzahlung ich es mir erhoffte den Vertrag irgendwann innerhalb den nächsten 5 Jahren zuteilungsreif zu bekommen. Dann hätte ich die Möglichkeit zu dem im Jahr 2000 vereinbarten Zinssatz einen zweckgebundenen Baukredit bei der BHW Bausparkasse in Anspruch zu nehmen.  Diese Rechnung habe ich leider ohne meine Bausparkasse gemacht, denn just jetzt wo ich die Sparraten weiter erhöht habe, möchte man mich am liebsten loswerden.

So erhielt ich vor ein paar Wochen das Schreiben mit dem Angebot ich könne in einen anderen Tarif wechseln, der mir dann einen radikal niedrigen Zinssatz garantiere wenn ich einer kleinen Reduzierung der Guthabenzinsen zustimmen würde. 0,25% Zinsen p.a. wären das dann. Während ich mich noch fragte ob die Geld drucken, weil sie mir es so günstig verleihen stellte ich fest, dass das der Guthabenzins ist und ich den mit ein bisschen Pech sogar rückwirkend angerechnet bekommen könnte. Das hätte mich noch weiter von meinem Ziel diesen Vertrag endlich zuteilungsreif anzusparen entfernt. Das Schreiben landete also im Altpapier und ich wähnte mich auf einem guten Weg.

Das war verfrüht wie ich bald merken musste – auf meinem Kontoauszug fand sich in der letzten Woche tatsächlich eine Gutschrift über den zuletzt eingezahlten Betrag. Noch bevor ich mich wundern konnte übermittelte man mir die Begründung auch schon per Post. Gemäß den Allgemeinen Bausparbedingungen nach § 2 Abs. 2 bzw. § 5 Abs. 2) bedürfen Zuzahlungen die über das vertraglich vereinbarte Niveau hinausgehen der Zustimmung der Bausparkasse und so schreibt es mit BHW: „Diese Zustimmung erteilen wir nicht.“

Zum Schutz des Kollektivs – Annahme verweigert

Netterweise klärte man mich dann auch auf warum das in den letzten Jahren kein Problem war, jetzt eines ist: „Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase sind wir gezwungen zum Schutz des Bausparkollektivs die Annahme der Sonderzahlung zu verweigern“  und während ich mich noch frage ob ich jetzt nicht mehr Teil des Kollektivs bin, weil man das vor mir beschützen muss lese ich „im nächsten Jahr haben Sie die Möglichkeit, Einzahlungen im vertraglich vereinbarten Rahmen zu leisten“.  Na prima, da muss ich dann wohl den Dauerauftrag auch kündigen – oder überweisen die mir jetzt jeden Monat meine 78 DM Sparrate wieder zurück? Und wie erfahre ich, wann die Schonzeit für das Kollektiv beendet ist?

Vermutlich gar nicht. Deshalb habe ich beschlossen den Dauerauftrag bestehen zu lassen, wenn ich keine Rückerstattung mehr erhalte oder sich vielleicht doch ein BHW Berater findet, der sich um meine persönliche Situation bemüht, könnte das darauf hindeuten das alles wieder gut und beim Alten ist.

Bausparen für das Senioren-Appartement

Apropos alt, nachdem ich nur noch „vertraglich vereinbarte Einzahlungen“ vornehmen kann, weil 1,75% Zinsen p.a. ganz offensichtlich das Kollektiv zerstören verzögert sich auch der Termin zu dem der Vertrag zuteilungsreif wird um ein paar Jahre. Grob gerechnet sollte ich ungefähr im Jahr 2031 die notwendige Einzahlung geleistet haben und habe dann Anspruch auf ein günstiges BHW Baudarlehen, dass ich ganz prima für ein Senioren-Appartement verwenden kann – denn mit 57, da hat man schließlich auch noch Träume.

Weitersparen!

Warum löst der seinen Bausparvertrag nicht einfach auf? Die Frage hatte ich mir für einen ganz kurzen Moment auch gestellt aber – es gibt keinen vernünftigen Grund dies zu tun. So hohe und sichere Zinsen gibt es momentan kaum irgendwo und wenn ich dann mein Geld angespart habe, müsste historisch betrachtet, der Zinszyklus gedreht haben und ich bekomme einen im Marktvergleich günstigen Zinssatz für meinen Baukredit.

Deshalb liebe BHW Bausparkassen Controller – bleibe ich Euch auch in Zukunft ein treuer Kunde.

BHW Bausparen – und die Gefahr für das Kollektiv

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