Sep
15
2011
Gestern noch berichtete die Allianz in Ihrem Wohlstandsreport, dass die Schweiz das Land mit den reichsten Bürger ist – und jetzt das. 2 Milliarden US-Dollar sind der Schweizer Großbank durch einen Händler anhanden gekommen, der nach eigenen Regeln spielte und verlor.
Damit reiht sich die UBS in die Reihe der doch nicht so souveränen Banken ein, in der zuletzt im Jahr 2008 die französische Bank Société Générale durch den Händler Jérôme Kerviel (mittlerweile zu 5 Jahren Haft verurteilt) mit einem Verlust von 4,5 Mrd. Euro eine Spitzenposition eingenommen hatte.
Für die Bank, die den Betrug des Händlers intern aufdeckte, diesen in London verhaften ließ und dann eine Gewinnwarnung herausgab scheint die Sache für den Moment erledigt. Zumindest könnte man die Meldung das „Kunden daraus kein Schaden entstanden ist“ für einen Moment so deuten.
Bleibt nur die Frage wer für den Verlust aufkommen wird wenn nicht die Kunden?
In der Schweiz wird man diese Entwicklung sehr wahrscheinlich mit einem unaufgeregten, typisch schweizerischen, Zorn beobachten. Nachdem die UBS zwischen 2007 und 2008 einen Verlust von fast 28 Mrd. Schweizer Franken aufgehäuft hatte und durch den Staat gerettet werden musste, dürften auch diese 2 Mrd. USD zur Not durch Zahlungen aus dem Inland aufzubringen sein, so dass die Bank dadurch nicht mehr groß ins Wanken gebracht werden kann.
Sep
15
2011
„Nichts ist so veraltet wie die Schlagzeile von gestern“ besagt eine alte Presseweisheit – Ähnliches darf auch die Allianz für Ihre Studie zum Vermögen der Deutschen für sich in Anspruch nehmen. Die jetzt dort veröffentlichten Zahlen waren schon veraltet bevor sie erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Schuld daran sind je nach persönlicher Vorliebe: Die Griechen, die Konjunktur, die Rezession, die Immobilienkrise, die Kanzlerin oder auch schlicht die FDP, die ja derzeit für jede Gelegenheit einen Sündenbock aufstellt.
Deutsches Vermögen reicht für Platz 17 der Bestenliste
Bevor uns also die aktuellen Auswirkungen der aktuellen Krise trafen (bei der nach Berechnungen der Allianz 3 Billion Euro Kapital vernichtet wurden) ging es uns Deutschen so gut wie nie zuvor. Zumindest finanziell. So betrug das Vermögen pro Kopf stolze 60.123 Euro, Rentenansprüche und Immobilienvermögen nicht eingerechnet. Das reicht(e) für Platz 17 der Bestenliste – die mit sehr großem Abstand von den Schweizer Eidgenossen (207.000 Euro / Kopf) angeführt wird.
Interessanter als die bloße Aufzählung der Vermögen erscheint aber der innereuropäische und internationale Vergleich. Mit Platz 1 für die Schweizer war irgendwie zu rechnen, dass aber Amerikaner trotz Immobilien- und Finanzkrise mit 111.000 Euro auf Platz 2 liegen und Dänen wie auch Niederländer mit über 100.000 Euro mehr als 50% mehr Vermögen besitzen als Deutsche ist zumindest für mich überraschend.
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Pro-Kopf-Vermögen
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Schweiz
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207.393 €
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USA
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111.897 €
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Japan
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111.598 €
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Dänemark
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107.057 €
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Niederlande
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104.847 €
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Australien
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90.808 €
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Singapur
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89.110 €
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Belgien
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85.859 €
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Großbritannien
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81.851 €
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Kanada
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79.997 €
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Quelle: Allianz Global Wealth Report
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Sep
10
2011
Kundenfreundlich urteilte das Oberlandesgericht (OLG) Zweibrücken gegen eine Bank und für den Kunden. Das Geldinstitut hatte für die Bearbeitung eines Privatkredits ein einmaliges Bearbeitungsentgelt verlangt, mit welchem der Aufwand für Bonitätsprüfung und Kundenberatung abgegolten werden sollte. „Nichtig“ stellte die Bank fest und bewertete die Gebühr als nicht zulässig, da es sich hierbei um eine Arbeitsleistung handelt, die nicht dem Kunden sondern lediglich der Absicherung der Bank nützt.
Wer jetzt vermutet dass dadurch die Kredite bei Banken künftig günstiger zu haben wären wird aber mit größter Wahrscheinlichkeit enttäuscht. Banken dürften zukünftig dazu übergehen die anfallenden Kosten für den Kreditabschluss in die Kreditzinsen einfließen zu lassen. Dadurch entfällt dann zwar die Bearbeitungsgebühr, die Zinsen für den Kredit dürften aber steigen.
In der Summe werden Privatkredite durch dieses Urteil deshalb wahrscheinlich nicht günstiger, Bankkunden erhalten aber eine bessere Vergleichbarkeit der Kosten, denn Bearbeitungsentgelte können nicht mehr länger als Sternchentexte oder im Kleingedruckten versteckt werden.
Mai
15
2011
Ein wahres Luxusproblem quält die deutsche Wirtschaft: Es mangelt an schlicht an Fachkräften. Waren es in den letzten Jahren vor allem Ingenieure und Softwarespezialisten, die verzweifelt gesucht wurden, so gelingt es auch bei weniger hoch spezialisierten Berufen immer seltener gute Mitarbeiter zu gewinnen – und häufig noch wichtiger: Zu halten.
Was wie ein Rückblick auf die Wirtschaftswunder-Jahre des letzten Jahrhunderts wirkt ist für viele Unternehmen tägliche Realität, sie würden gerne mehr Mitarbeiter einstellen, aber es gibt keine. Vorbei sind die Zeiten in denen man für kleines Geld eine große Auswahl fähigen Personals fand, trotz fast 3 Mio. Arbeitsuchender Personen können viele Stellen nicht mehr besetzt werden.
Welche Lösungen es für dieses Problem geben könnte liegt fast auf der Hand und wurde dennoch bisher niemals so offen von prominenter Seite wie an diesem Wochenende ausgesprochen. Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, brachte via Die Welt die Botschaft an die Bürger und löst damit sicherlich eine kontroverse Diskussion über alle politischen Lager hinweg aus, denn mit seiner Forderung sich um eine kontrollierte Zuwanderung zu Bemühen und in den nächsten 2 Mio. Zuwanderer für Deutschland zu gewinnen, dürfte er so ziemlich genau jederpolitischen Gruppierung die Zornesröte ins Gesicht treiben.
Ob braun und grundsätzlich gegen Ausländer, linke-rot und grundsätzlich daran interessiert der eigenen Klientel ein gutes Gefühl und vielleicht ab und an einen Arbeitsplatz zu vermitteln, schwarz und sehr darauf bedacht der eigenen Klientel einen besser bezahlten Job und der Familie Sicherheit zu vermitteln, gelb und von Natur aus verdächtig Ausländer zu Dumpinglöhnen zu beschäftigen, zurzeit aber mit anderen Sorgen beladen oder sozi-rot und seit Sarrazin bei Ausländerfragen (die Jusos ausgenommen) betont zurückhaltend – keine Gruppierung wird sich mit der Weise-Realität kurzfristig anfreunden können.Die Unternehmen werden wie so oft Antworten ohne politische Unterstützung finden und wahlweise die Mitarbeiter im Ausland anwerben, oder ihre Produktionen dorthin verlagern. Es bleibt uns Deutschen überlassen jetzt Weise zu reagieren und vielleicht nicht nur bei Eurovision Song Contest alle europäischen Nachbarn herzlich Willkommen zu heißen.
Mai
14
2011
Auf etwa 65 Mrd. US-Dollar wird der Schaden geschätzt, den Bernard Madoff, überführter und zu 150 Jahren Haft verurteilter Anlagebetrüger während der letzten Jahre und Jahrzehnte angehäuft hat. Aufgefallen war das Nichtvorhandensein des Anlagevermögens erst durch die Auswirkungen der Finanzkrise, als die vornehmlich institutionellen Anleger (Banken, Fonds, Pensionskassen) versuchten Ihre Positionen bei Madoff aufzulösen und sich dadurch mehr Liquidität zu verschaffen.
Dieser musste gestehen leider niemals das ihm anvertraute Geld investiert zu haben und verlor dadurch nicht nur seine Freiheit, sondern auch sein komplettes Hab und Gut, welches Stück um Stück verkauft wird um die Ansprüche der Gläubiger (also der ehemaligen Anleger) zu bedienen.
Gesamte Sammlung wird auf 15.000 USD geschätzt
Im Rahmen einer solchen Aktion kommt nun auch die Madoff’sche Weinsammlung bei einer Auktion in New York unter den Hammer. Unter den dort feil gebotenen Tropfen befindet sich z.B. einzelne Flaschen des Château Petrus und Château Mouton Rothschild aus dem Jahr 1996. Auch wenn sich Madoff damit als Liebhaber französischen Rotweins outet, so ist die Sammlung insgesamt eines Milliardär eher unwürdig, wird doch der Gesamtpreis der Sammlung auf gerade mal 15.000 USD geschätzt.
Der Weinhändler, der die Auktion am kommenden Mittwoch durchführen wird ist allerdings optimistisch, dass mehr als der Schätzpreis erlöst werden kann, schließlich handelt es sich bei den angebotenen Flaschen nun wirklich um Weine mit Geschichte.
Wer mit bieten möchte kann das auch von Deutschland aus, der Weinhändler Morell & Company bietet die Möglichkeit der Online-Auktion unter http://auction.morrellwineauctions.net/
Feb
12
2011
Die Opposition hat gesiegt, der Ägyptische Präsident Husni Mubarak hat seinen Rücktritt erklärt und umgehend die Stadt in Richtung Sharm el Sheik verlassen. Das Ende des lang währenden Tauziehens um die Macht in Ägypten hat aber wie so oft in Staaten ohne formierte Opposition zunächst das Militär gewonnen, das Führungsgremium der Armee wird ab sofort die politische Leitung übernehmen. Ob das gut oder schlecht ist, vermag im Moment niemand wirklich zu beurteilen. Interessant scheint aber die Rolle des bisherigen Vizepräsidenten Omar Suleiman zu werden, dieser wäre eigentlich nach dem Rücktritt Mubaraks als Nachfolger an der Spitze Ägyptens vorgesehen. Mit der Übergabe an das Militärgremium bleibt der direkte Weg an die Macht für Suleiman allerdings versperrt.
Dem Volk sind diese politischen Schachzüge derzeit herzlich egal, auf dem Tahrir-Platz in Kairo steigt derzeit die größte Party, die dieses Land in seiner Geschichte gesehen haben dürfte. Spiegel Online nennt es deshalb vielleicht nicht ganz zu Unrecht ein „Fanal für die Freiheit“.
Der neue starke Mann des Landes heißt übrigens Hussein Tantawi und ist bislang Verteidigungsminister Ägyptens. In einer ersten Erklärung stellte der 75-jährige fest, dass das Militär den „Willen des Volkes“ nicht in Frage stellen werde.
Und was sagen die USA?
Präsident Barack Obama hat sich sogleich mit einem irgendwie amerikanisch-typischen Vergleich an die Öffentlichkeit begeben und festgestellt, dass dieser Umschwung in einer langen friedlichen Tradition der Revolutionen steht, wie z.B. Gandhis Marsch oder der Fall der Berliner Mauer.
Bleibt zu hoffen, dass sich die guten Wünsche und das Vertrauen in das Militär bewahrheiten.
Dez
10
2010
Keine Sorge, Sie haben keine große Steuerreform verpasst. Es sind eher die kleinen Änderungen, die ab dem nächsten Jahr für Erleichterung bei Steuerzahler und Finanzamt führen werden und ganz nebenbei auch noch allen Beteiligten ein paar Euro sparen.
Möglich wird dies nicht etwa weil sich die FDP dann schlussendlich doch mit Steuererleichterungen durchgesetzt hat, sondern weil – dies ist natürlich rein subjektiv – endlich mal jemand versucht die deutsche Steuergesetzgebung zumindest in kleinen Teilen ein bisschen auf Kosten- und Nutzen hin zu analysieren. Sprich die Regelungen und Prozesse so zu vereinfachen, das an manchen Stellen eben auf Einnahmen verzichtet wird, wenn der Aufwand für Prüfung und Bearbeitung mehr kostet als die Steuern wieder einbringen. Ab dem nächsten Jahr wird es (zumindest denkt man das derzeit) also einfacher und günstiger für alle. Bürger sparen Zeit beim Ausfüllen der Einkommensteuererklärung, das Finanzamt spart Zeit bei der Überprüfung der Angaben.
Änderungen bei Kindergeld und Kinderfreibetrag
Eine für deutsche Verhältnis spektakulär kulante Regelung wird ab dem nächsten Jahr für alle Eltern gelten, die Kinder im Kindergeld fähigen Alter haben. Musste z. B. bei volljährigen Kindern bisher deren Einkommen welches durch Ausbildung oder durch Jobs neben dem Studium erzielt wurden angegeben (geprüft) und für die Auszahlung des Kindergeldes entsprechend berücksichtigt (reduziert) werden, so erhalten ab 2011 Eltern unabhängig von dem persönlichen Einkommen des Kindes das Kindergeld (oder wahlweise den Kinderfreibetrag) in vollem Umfang weiter ausbezahlt. Diese Regelung gilt natürlich nur so lange wie sich der Nachwuchs in der Ausbildungsphase befindet und das Kindergeld-Höchstalter nicht erreicht hat.
Die Steuerausfälle für diese pauschale Regelung werden auf etwa 200 Mio. Euro geschätzt. Der Verwaltungsaufwand dürfte sich allerdings bei Eltern wie auch „auf dem Amt“ deutlich reduzieren, so dass man hier nicht nur eine indirekte Verbesserung von Elterneinkommen erreicht, sondern eben auch Personalkapazitäten für andere Aufgaben gewinnt.
Okt
24
2010
Mit der Ausstellungsreihe Körperwelten hat Anatom Gunther von Hagens eine der meistbesuchten Wanderausstellungen der Welt geschaffen. Das von von Hagens maßgeblich weiterentwickelten Verfahren der Plastination, welches die Aufarbeitung von Leichen und Organen in einer bislang einmaligen Realitätsnähe und Detailfülle ermöglichte, ist allerdings ebenso spektakulär wie umstritten. Trotzdem tourt der Professor und Unternehmer äußerst erfolgreich mitsamt seinen Exponaten seit 1996 um die Welt (derzeit auf den Philipinen).
Umstritten ist die Körperwelten Ausstellung nicht nur hinsichtlich der offen zur Schau gestellten menschlichen Körper, sondern auch, weil immer wieder vermutet wird, dass nicht alle dort gezeigten menschlichen Plastinate durch Körper- oder besser gesagt Leichenspenden entstanden sind. So vermutete zum Beispiel das Magazin Der Spiegel, dass es sich hierbei zum Teil um chinesische Leichen handeln würde, die unter Umständen weder freiwillig gespendet wurden noch natürlich zu Tode gekommen sind. Allen entsprechenden Berichten entgegnete von Hagens bisher erfolgreich mit juristischen Mittel, so dass Redakteure und Redaktionen mittlerweile deutlich zurückhaltender mit ihrer Kritik in die Öffentlichkeit treten.
Online Shop mit Körperwelt Plastinaten
Diese Kritik dürfte sich in den nächsten Wochen allerdings wieder an Stärke gewinnen, wenn sich das neueste Projekt der Gubener Plastinate GmbH herumgesprochen hat. In einem eigenen Onlineshop werden dann Plastinate über das Internet verkauft werden. Unter der Internetadresse plastination-products.com sollen ab Anfang November kleinere wie auch größere Exponate zum verkauf stehen, die dann per Mausklick geordert werden können.
Damit folgt von Hagens der altbekannten Vermarktungsstrategie und macht sich die öffentliche Empörung als kostenlose Werbung zu Nutze. Reflexhaft haben sich bereits Vertreter beider Kirchen und der Politik zu Wort gemeldet und den immer wieder aufkeimenden Vorwurf der Leichenfledderei in die überregionale Presse gehoben. Während also Bild, Spiegel, Die Zeit oder auch die Augsburger Allgemeine über den neuen Shop berichten, wird man sich am Standort Guben die Hände reiben und reizvolle Exponate ins Web-Schaufenster stellen um noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen.
Mit den Artikeln wie „Ohrringe aus Bullenhoden-Scheiben“, welche noch zusätzlich mit dem Hinweis „Unikat“ versehen wurden, kann man auch die letzten uninteressierten zumindest einmal zum Vorbeischauen bewegen. Was bleibt ist die Feststellung, dass das Schaffen von Gunther von Hagens sicherlich nicht jedermanns Sache ist, für seine PR-Kampagnen hat der Mann in jedem Fall Respekt verdient.
Okt
21
2010
Nun wird der Aufschwung amtlich. Rainer Brüderle, Wirtschaftsminister der schwarz-gelben Regierungskoalition verkündet so etwas wie die frohe Botschaft vom Ende der Krise. Mit 3,4% fällt das erwartete Wirtschaftswachstum für das Jahr 2010 dabei unerwartet deutlich aus und soll, so der Minister, zudem eine ganze Reihe neuer Jobs schaffen.
Im Jahresdurchschnitt erwartet die Bundesregierung daher für das kommende Jahr eine durchschnittliche Arbeitslosigkeit von nur noch 2,9 Mio. was dem niedrigsten Stand seit 1992 entsprechen würde. Der derzeitige Aufschwung, dessen Basis nach Ansicht Büderles in erster Linie durch unternehmerische Weitsicht und erst in zweiter Linie durch staatliche Unterstützung möglich geworden ist, habe mittlerweile fast alle Bereiche der Wirtschaft erfasst und würde sich zunehmend verstärken.
Ebenfalls positiv sieht die Politik auch den Ausblick für das kommende Jahr 2011. Auch wenn das Wachstum nach Ansicht des Wirtschaftsministeriums dann nur noch 1,8% betragen soll, wäre das ein deutliches Signal, dass die Krise überwunden ist. Weniger optimistisch zeigen sich hier die Ifo-Experten, die vor allzu großer Euphorie warnen, auch nach einer derart tiefen Wirtschaftstalsohle, so ein Experte gegenüber n-tv, wäre es schwer absehbar ob ein Aufschwung wirklich anhaltend Dynamik entwickeln können. Immer noch wären nicht alle Produktionskapazitäten so ausgelastet, wie es möglich wäre und immer noch hängt der Deutsche Aufschwung an der Erholung der asiatischen Wirtschaftsstandorte China und Indien. Deren Nachfrage und die wachsende Bedeutung Chinas als Wirtschaftsnation bewirkt die schnelle Erholung der Deutschen Wirtschaft. Kommt es dort zu einem Rückschlag, könnte der Aufschwung schnell ins Stocken geraten.
Sep
20
2010
Wie viel Geld ein Bundesbürger im Monat benötigt ist heute wie auch im Februar die entscheidende Frage. Die aktuell als Grundsicherung ausgezahlten 359,- Euro zzgl. Raumkosten sind es jedenfalls nicht, wie das Bundesverfassungsgericht im Februar dieses Jahres festgestellt hatte.
Das Ministerium für Soziales unter Leistung von Ursula von der Leyen (CDU) hatte in den letzten Monate intensiv über die Neuregelung der Hartz IV Sätze nachgedacht und dazu auch verschiedene Ideen in der Öffentlichkeit angetestet. Vor allem die Chip-Karte für Kinder, die dadurch kostenfreien Zugang zu unterschiedlichen Bildungsangeboten erhalten sollen wurde dauerhaft und kontrovers diskutiert. Umso erstaunlicher, dass die Chip-Karte in dem jetzt vorgestellten Gesetzesentwurf so etwas wie ein „Streichposten“ darstellen. Sie kann, muss aber nicht unbedingt Teil der Grundsicherungs-Neuregelung werden.
Auch wenn die Höhe der Sätze noch nicht festgelegt ist, so zeichnet sich doch ein grundsätzlich neues Denken in der Grundsicherungsregelung ab. Kosten für die Praxisgebühr werden dann ebenso in die Kostenkalkulation einbezogen werden wie Gebühren für die Internetnutzung. Inwieweit Kosten für die Bildung und Ausbildung von Kindern berücksichtigt werden, könnte von regionalen Faktoren abhängen. So sieht der Gesetzesentwurf einen Zuschuss aus den Kassen der Job-Center vor, die dann vor Ort über die individuelle Höhe von Zuschüssen zur Lernförderung, Klassenfahrten, Mittagessen oder Sport- und Freizeitaktivitäten entscheiden sollen.
70% Preisentwicklung und 30% Steigerung der Netto-Löhne
Grundsätzlich wird die Abhängigkeit zwischen Rente und Grundsicherung aufgehoben werden. Anstelle dessen soll eine Kombi-Kalkulation bestehend aus 70% Preisentwicklung und 30% Steigerung der Netto-Löhne künftig für Steigerungen der Grundsicherungsbeträge herangezogen werden.
Ob der vorgelegte Gesetzesentwurf tatsächlich in dieser Form umgesetzt werden wird ist zum aktuellen Zeitpunkt schwer absehbar, viel Zeit für Diskussionen bleibt allerdings nicht, bereits am 20. Oktober soll das Bundeskabinett über die Neuregelungen entscheiden, damit die neue Gesetzeslage ab dem 1. Januar 2011 in Kraft treten kann.