Was den Wienern der Prater, ist den Briten das London Eye. Vielleicht ist es eine moderne Form der Entschleunigung, die in sich langsam drehenden Rädern gigantischen Ausmaßes interpretiert werden, die gut geeignet sind, Menschen mit Höhenangst in eine andauernde Schockstarre zu versetzen (das London Eye verfügt über eine Glasfront bis zum Milchglasboden was den Blick in fast alle Richtungen frei gibt).

Berlin startet jetzt den Angriff den Rekord von Nanchang (Stern von Nanchang, China) einzuholen. Dort steht momentan das größte Riesenrad der Welt, welches einen Durchmesser von immerhin 160 m aufweist. Amerikaner und Chinesen sind mittlerweile in Las Vegas und Singapur dabei diesen Rekord auf 180 m auszuweiten, da erschallt der Ruf aus Berlin: Wir haben fertig diskutiert, wir bauen auch ein Riesenrad und es wird mit 185 m größer als anderen – und das ist gut so.

Rund 120 Mio. Euro Investitionssumme sollen dazu beitragen einen weiteren „Punkt in der Silhouette der Stadt“ (O-Ton OB Wowereit)zu ermöglichen – und zugleich für Einnahmen zu sorgen. 11,- Euro soll die etwa 35-minütige Fahrt mit dem noch namenlosen Berliner Riesenrad kosten, in 36 Kabinen können jeweils 40 Menschen den Fahrtgenuss der Höhe gleichzeitig erleben. Würde das Riesenrad demnach täglich 12 Stunden bei voller Auslastung betrieben wären die Kosten (ohne Zinsen) nach etwa einem Jahr amortisiert. Das wird eher nicht passieren, aber grundsätzlich hat man in London (in Wien sowieso) bewiesen, dass ein Riesenrad ein Tourismus Magnet ist, der auch profitabel betrieben werden kann. Nicht zuletzt in London, wo der Preis je London Eye Fahrt mit 13 GBP (ca. 19 Euro) deutlich über den Berliner Fahrtpreisen angesiedelt ist, bei kürzerer Fahrzeit, einem deutlich kleineren Riesenrad und ungebrochenem Interesse seit dem Millennium Jahr 2000.

Berlin bekommt, was Wien, London und Nanchang schon haben

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