Ob Leitender Angestellter oder Einzelhandelskauffrau in Teilzeit, wenn das Statistische Bundesamt Zahlen erhebt, landen manchmal alle in ein und derselben Statistik. Das gilt vor allem dann, wenn es sich wie im aktuellen Fall um einen bundesweiten Durchschnitt der Arbeitskosten (Arbeitskosten = Bruttolöhne und -gehälter plus Lohnnebenkosten) handelt. Hier haben die Statistiker des Bundesamtes nämlich die Kosten der durchschnittlichen Arbeitsstunde für das Jahr 2009 ermittelt und dazu die verschiedenen Branchen und Arbeitnehmergruppen in einem großen Statistik-Topf zusammengefügt. Herausgekommen ist ein durchschnittlicher Preis je Arbeitsstunde von 30,90 Euro, was einem Anstieg von 4,1 Prozent gegenüber dem Jahr 2008 entspricht. Die mit 50,30 Euro höchsten Kosten je Arbeitsstunde verzeichneten Unternehmen in der Energieversorgung, die geringsten mit lediglich 16,10 Euro werden nicht im ostdeutschen Friseurwesen, sondern im bundesdeutschen Gastgewerbe bezahlt.

Kurzarbeit lässt Arbeitskosten steigen

In der Summe mussten Arbeitgeber in Deutschland im Jahr 2009 ungeachtet der Krise einen empfindlichen Aufschlag auf die Lohn-/Stückkosten hinnehmen, was der Wettbewerbsfähigkeit des Landes nicht unbedingt zuträglich ist. Allerdings dürfte – so die Einschätzung des Statistischen Bundesamtes – dieser Nachteil eher vorübergehender Natur sein, da Länder wie z.B. Spanien, die im letzten Jahr sinkende Arbeitskosten zu verzeichnen hatten dies ausschließlich durch Personalentlassungen geschafft hätten. Dieses qualifizierte Personal musst nach der Krise mühsam neu gefunden und eingearbeitet werden, was dann einen deutlichen finanziellen Mehraufwand gegenüber der in Deutschland praktizierten Kurzarbeitsregelung bedeutet.

Höchste Arbeitskosten in Dänemark

Trotz steigender Arbeitskosten liegt Deutschland als „Hochlohnland“ immer noch deutlich hinter den teuersten europäischen Ländern. Das teuerste land der Statistik ist derzeit Dänemark mit 37,40 Euro je Arbeitsstunde, das günstigste Bulgarien wo die durchschnittliche Arbeitsstunde lediglich 2,90 Euro kostet.

Angesichts dieser Durchschnittzahlen muss man sich schon fragen, weshalb Mindestlöhne von 7 oder 8 Euro überhaupt diskutiert werden müssen, es scheint ja durchaus Arbeitgeber zu geben, die die Leistung ihrer Mitarbeiter auch vernünftig bezahlen möchten – gäbe es mehr davon, hätten Ausbeuter keine Chance ausreichend Arbeitskräfte zu verpflichten. Diese schwer gelb angehauchte Theorie wollen wir an dieser Stelle aber einfach mal schnell wieder vergessen …

30,90 Euro kostete die durchschnittliche Arbeitsstunde 2009

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