Archive for April, 2010

Apr 06 2010

Deutsche berappen 263 Mrd. Euro für die Gesundheit

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Spätestens seit dem Ausbruch der Finanzkrise, als vormals eher unbekannte Banken wie IKB, KfW oder auch Hypo Real Estate klaffende Lücken in ihrer Liquiditätsversorgung fanden, sind wir alle mit großen Zahlen vertraut. Dennoch erscheint die Zahl 263 Mrd. Euro, die das Statistische Bundesamt als Kosten für die Gesundheitsversorgung der Deutschen im Jahr 2008 gemessen hat, als beinahe unfassbar. Glaubt man diesen Zahlen, was angesichts der Quelle als zwingend notwendig erscheint, so gaben die Deutschen im Jahr 2008 rund 10,5% des Bruttoinlandsprodukts oder 3.210 Euro pro Kopf und Jahr (267,50 Euro / Monat) für die Erhaltung der eigenen Gesundheit aus. Wie nebenbei verkünden die Statistiker, dass die Quote für das Jahr 2009 sogar noch gestiegen sein könnte, da die Wirtschaftsleistung und in der Folge dadurch auch das Bruttoinlandsprodukt gesunken, die Kosten für Gesundheitsdienstleistungen aber eher gleich geblieben sind. Für das Jahr 2009 wäre deshalb ein Anteil von über 11 Prozent des Bruttosozialproduktes zu erwarten.

Interessant wird dann bei näherem Hinsehen die Kostenverteilung der Gesundheitsausgaben, während für Arztpraxen mit 40,2 Mrd. Euro und Krankenhäuser 66,7 Mrd. Euro aufgewendet wurden, fallen die Kosten für ambulante Pflegedienste kaum ins Gewicht. Die zahlreichen Pflegedienste, die die ambulante Versorgung alter und/oder pflegebedürftiger Menschen sichern, können zwar für 2008 ein Plus von 8 Prozent verzeichnen, fallen aber dennoch mit lediglich 8,6 Mrd. Euro deutlich unterdurchschnittlich ins Gewicht. Deutlich mehr Umsatz als mit Pflege lässt sich mit Medikamenten und Medikamentenhandel erzielen. So belaufen sich die Kosten für Apotheken und deren Produkte im Jahr 2008 auf 38,5 Mrd. Euro.

Wer zahlt was im Deutschen Gesundheitswesen?

Die größte Versichertengruppe zahlt auch den größten Anteil der Kosten. Rund 151 Mrd. Euro wurden von gesetzlichen Krankenkassen aufgebracht. Anders als zu vermuten ist es nicht die private Krankenversicherung, die den zweitgrößten Ausgabenposten finanziert, sondern es sind private Haushalte und private Organisationen die in der Summe etwa 35 Mrd. Euro aufbringen um Gesundheits- oder Krankenkosten – je nach Betrachtungsweise – zu finanzieren. Erst an dritter Stelle folgen private Krankenversicherungen, die einen Kostenanteil von knapp 25 Mrd. Euro übernehmen. Auf den weiteren Plätzen findet sich die soziale Pflegeversicherung (19 Mrd. Euro), Öffentliche Haushalte (13 Mrd. Euro) und gesetzliche Rentenversicherung mit einem Anteil con ca. 3 Mrd. Euro.

Im Hinblick auf die durch Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) forcierte Kostensenkung der Arzneimittel vielleicht eine letzte Zahl aus der Statistik: 43,2 Mrd. Euro betrugen die Kosten für Arzneimittel im Jahr 2008. Da kann man sicherlich ein Milliardchen Einsparpotential finden – und wie war das gleich mit den Kosten für alle ambulanten Pflegedienste?

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Apr 01 2010

Deutsche Arbeitnehmer leisten 2 Milliarden Überstunden

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Der Leiter der Forschungsgruppe Arbeitszeit und Arbeitsmarkt des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, Eugen Spitznagel, nennt eine sehr konkrete Zahl, wenn es sich um die Frage der in der Deutschen Wirtschaft geleisteten Überstunden handelt. Nach seinem Wissen leisten Deutschen Arbeitnehmer pro Jahr rund 1 Mrd. bezahlter Überstunden, nach seiner Schätzung dürften genauso viele unbezahlte durch die Arbeitnehmer geleistet und nicht berechnet werden. Das Leisten von Überstunden sei vor allem bei jungen Arbeitnehmern beliebt, ist das Ergebnis einer Studie die im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes durchgeführt wurde. Demnach leisten junge Arbeitnehmer wöchentlich 5,3 Überstunden und bescheren ihren Arbeitgebern dadurch ein sehr attraktives Preis- und Leistungsverhältnis.

Ab wann wird aus Mehrarbeit eine Überstunde?

Losgelöst von der politischen Gesinnung, mit der solche Studienergebnisse interpretiert werden, sollte vorab ein Blick auf die rechtliche Situation geworfen werden. Die nämlich besagt, dass nur dann Überstunden vorliegen, wenn die werktägliche Arbeitszeit im Durchschnitt, innerhalb eines Ausgleichszeitraumes von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen, mehr als acht Stunden beträgt. D.h. mögliche Schwankungen in der wöchentlichen Arbeitszeit sind nicht zwingend als Überstunden zu bewerten und können zudem nur dann als solche berücksichtigt werden, wenn diese durch den Arbeitgeber bzw. den entsprechenden Personalverantwortlichen auch angeordnet worden sind.

Warum leisten Arbeitnehmer so viele Überstunden?

Sind wir denn alle doof? Warum? Nun, wir leisten kostenlose Mehrarbeit, die dem Arbeitgeber einen Wettbewerbsvorteil verschafft und somit unsere Arbeit sichert – ABER – in dem wir diese Mehrarbeit leisten nehmen wir quasi einer anderen Person die Möglichkeit diese auch zu leisten und ebenfalls Geld dafür zu erhalten. Im schlimmsten Fall bezieht diese Person über kurz oder lang Grundsicherung und liegt uns, die wir ohnehin schon kostenlos arbeiten auch noch zusätzlich auf der Steuertasche. Das verteuert dann wieder die Lohnnebenkosten und frustriert Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Arbeitsuchenden gleichermaßen. Ganz platt formuliert könnte man auch sagen: 2 Mrd. zuviel geleistete Arbeitsstunden entsprechend in etwa 1 Mio. Arbeitnehmer-Vollzeitstellen. Würden Arbeitnehmer auf Überstunden verzichten, könnte das Problem der Arbeitslosigkeit also quasi über Nacht deutlich entschärft werden. Bevor es an dieser zu linkslastig wird ein letztes Stichwort: Strukturelle Defizite. Leider fallen besonders in Betrieben und Branchen in denen spezielle Qualifikationen erforderlich sind immer besonders viele Überstunden an, weil es eben keine geeigneten Bewerber gibt.

Weniger Überstunden alleine lösen das Problem also nicht, mehr Wissen für alle könnte da deutlich mehr bewirken. Nur müssen dann eben auch alle mitmachen wollen.

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