Dez
31
2009
Nicht nur Familien bzw. Alleinerziehende dürfen sich über einen finanziellen Vorteil durch die ab Januar geltenden Gesetze zu Kinderfreibetrag und Kindergeld freuen, auch alle anderen Bürger profitieren, so sie denn über ein zu versteuerndes Einkommen verfügen von der neuen Gesetzgebung.
Ab 1.1.2010 greift dann nämlich für alle Bürger der erhöhte steuerliche Grundfreibetrag von 8.004 Euro was einer Erhöhung von 2,17 Prozent bzw. 170 Euro) entspricht. Nicht nur Geringverdiener, auch diejenigen die etwas mehr verdienen können sich über einen erhöhten Grundbemessungsbetrag freuen. Der Höchststeuersatz von 42 Prozent ist ab dem 1.1.2010 für alle Einkommen ab 52.882 Euro anzuwenden (vorher 52.552) was allerdings einer Erhöhung von deutlich unter einem Prozent entspricht.
Mehrbelastung durch steigende Beitragsbemessungsgrenzen
Wer gut verdient darf sich im nächsten Jahr auch mit weiteren, weniger erfreulichen Änderungen hinsichtlich der Renten- und Krankenversicherungsbemessungsgrenze befassen. So steigen die Beitragsbemessungsgrenzen für Renten- und Arbeitslosenversicherung um jeweils 100 Euro auf monatlich 5500 Euro im Westen und 4650 Euro im Osten. Etwas weniger stark fällt die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze für gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung aus. Hier wird es eine Anhebung von 75 Euro auf dann 3750 Euro vorgenommen, was den kleinen Steuervorteil, den Gutverdiener durch die Steuererleichterungen erhalten haben dann auch direkt wieder zunichte macht.
Dass die gelb-schwarze Regierung also deutlich die eigene Klientel mit den Steueränderungen bevorzugen würde, spiegelt sich in den Gesetzesänderungen dieses Jahreswechsels noch nicht wieder. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen. Die nächste Bundestagswahl ist schließlich noch weit, weit entfernt.
Dez
30
2009
Wachstumsbeschleunigung und Bürgerentlastung hat die neue Bundesregierung befohlen um die Nation aus dem Wirtschafts- und Stimmungstief zu manövrieren. Auch wenn das entsprechende Gesetz noch nicht ganz ausformuliert ist, so gibt es zumindest gibt es einen entsprechenden Beschluss, der aus Willen Taten werden lässt.
In der Tat wird dann Eltern bzw. Erziehungsberechtigten von Kindern unter 18 Jahren jeden Monat 20,- Euro mehr Kindergeld pro Kind zur Verfügung stehen. Das entspricht einem Kindergeld Betrag von 184,- Euro für das erste und zweite bzw. 190 Euro für das dritte Kind und 215,- Euro ab dem vierten Kind und deckt selbstverständlich nicht die Kosten, die ein Kind verursacht. Auch wenn Kinder eher keine Wachstumsbeschleunigung brauchen und Eltern vielleicht mit einer besseren Kinderbetreuung in Form von Kindergärten und Krippen besser geholfen wäre: Man freut sich ja trotzdem über ein paar Euro mehr.
Kinderfreibetrag wird angehoben auf 7.008 Euro / Jahr
Die Subventionierung von Kindern hat in Deutschland eine ebensolche Tradition wie die Verkomplizierung des Steuerrechts. Schon deshalb war es beinahe zwangsläufig notwendig, neben der Zahlung eines Kindergeld Betrags auch wahlweise die Möglichkeit der steuerlichen Abschreibung von Kindern zu ermöglichen. Die Variante Kind als Steuersparmodell heißt Kinderfreibetrag und wird ab dem nächsten Jahr 7.008 Euro anstelle der bisherigen 6.024 Euro betragen.
Kinderfreibetrag oder Kindergeld?
Ob Kinderfreibetrag oder Kindergeld die für die Eltern günstigere Variante der Unterstützung ist, wird im Übrigen durch das Finanzamt geprüft. Dort wird (wie früher bei der privaten Altersvorsorge) eine Günstigerprüfung vorgenommen, bei der – der Name verrät es – das Finanzamt feststellt welche Variante (Kindergeld oder Kinderfreibetrag) für die Eltern die günstigere (und bessere) ist. Das freut die Eltern, müssen sich doch darüber ausnahmsweise mal keine Gedanken machen und können sich voll auf die Wachstumsbeschleunigung konzentrieren.
Dez
28
2009
Für Wortwürmer ist die Deutsche Sprache nicht nur, aber vor Allem innerhalb des englischsprachigen Auslands berühmt. Mit einem Kopfschütteln nimmt man dort gerne jene zusammengesetzten Wortungetüme zur Kenntnis, die in Deutschland immer dann zur Anwendung kommen, wenn möglichst viele Informationen mit nur einem Begriff – und das ohne Rücksicht auf die Verständlichkeit – transportiert werden sollen. Die Kommasetzung, das sei an dieser Stelle angemerkt, unterstützt die Wortgewaltigkeit der Sprache genau genommen ebenfalls, wie diesem Beitrag ggf. anzumerken ist. Aber zurück zur Bürgerentlastung bzw. der Bürgerentlastungsgesetz.
Bürgerentlastung durch Absetzbarkeit der Krankenkassenbeiträge
Ab dem 1. Januar 2010 werden Krankenkassenbeiträge sowie Beiträge zur Pflegeversicherung in voller Höhe steuerlich absetzbar sein sofern Sie die gesetzlichen Höchstbeträge nicht überschreiten. Im Gegenzug entfallen die bisherigen steuerlichen Pauschalbeiträge, die vielfach die tatsächlichen Krankenkassen Beitragskosten nicht einmal annähern berücksichtigt haben. Allerdings – und das wird für viele der nicht Privatversicherten eine wichtige Information darstellen – werden Beiträge, die für eine private Krankenzusatzversicherung als Ergänzung zur gesetzlichen Krankenversicherung gezahlt werden nicht anerkannt. Zusätzliche Versicherungsbestandteile, die Chefarztbehandlung oder Einbettzimmer betreffen müssen aus den Krankenversicherungskosten heraus gerechnet werden und werden als steuerlich abzugsfähige Kosten nicht anerkannt.
Damit wird, so die Vermutung, die gesetzliche Krankenversicherung gestärkt und zugleich die Steuergerechtigkeit erhöht. Das ist allerdings kein besonderer Verdienst der aktuellen gelb-schwarzen Regierung, sondern noch eines der letzten Überbleibsel aus rot-schwarzen Regierungszeiten.
Dez
19
2009
Das Festgeldkonto als Sparkonto für Kinder bietet die NIBC direct Bank jetzt unter der Bezeichnung Jugend Kapital Konto bzw. Jugend Festgeld zur Auswahl. Gedacht ist diese Form der Anlage für Eltern, die das Guthaben der eigenen Kinder für einen mittleren bis längeren Zeitraum anlegen und attraktive Zinsen erhalten möchten.
Je nach Länge des gewünschten Anlagezeitraumes werden die nachfolgend aufgelisteten unterschiedlich hohen Guthaben Zinsen angeboten
- Jugend Kapital Konto 2 Jahre 2,80 %
- Jugend Kapital Konto 3 Jahre 3,30 %
- Jugend Kapital Konto 4 Jahre 3,60 %
- Jugend Kapital Konto 5 Jahre 3,80 %
- Jugend Kapital Konto 7 Jahre 4,00 %
- Jugend Kapital Konto 10 Jahre 4,25 %
Eckdaten des NIBC direct Jugend Kapital Konto
Eltern, die für Ihre Kinder ein solches Konto eröffnen möchten, sollten neben einer Mindestanlagesumme von 1.000 Euro auch einen Anlagezeitraum von mindestens 24 Monaten einkalkulieren. Nur wer das Geld länger als 2 Jahre festlegt erhält den Zinssatz von 2,8 steigend bis auf 4,25 Prozent für den Anlagezeitraum 10 Jahre. Der Zinssatz ist während der Laufzeit festgeschrieben, so dass weitere Zinssenkungen der Zentralbanken bzw. der NIBC direct Bank keine Auswirkungen auf die Anlage haben werden.
Einlagensicherung der NIBC direct
Einen nach wie vor kritischen Blick werfen viele Sparer nach wie vor auf die Einlagensicherung der Banken. Die NIBC direct Bank gehört als niederländische Bank nicht dem Deutschen, sondern dem europäischen Einlagensicherungssystem an und gewährleistet eine Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro pro Sparer. Wer also höhere Summen für seinen Nachwuchs anlegen möchte, sollte sich ggf. um ein weiteres Festgeld Konto bei einer anderen Bank bemühen, oder aber eine dem Deutschen Sicherungssystem angehörige Bank wählen.
Dez
18
2009
Die Wahl zum Wort des Jahres viel in diesem Jahr auf „Abwrackprämie“, wie die Gesellschaft für deutsche Sprache jetzt veröffentlichte. Damit werde man der Rolle der eigentlich als „Umweltprämie“ benannten Pauschalsubvention gerecht, die dazu beitragen sollte den Kfz-Absatz in Deutschland anzukurbeln und den Verbraucher als Konjukturstütze aktivieren sollte. Unabhängig von der Zahlung der Umweltprämie habe ich sich unter dem Stichwort „Abwrackprämie“ eine Diskussion um die Folgen der Finanzkrise und die Möglichkeiten der Bewältigung entwickelt, die öffentlich kontrovers diskutiert wurde und maßgeblich dazu beigetragen hat, dass „Abwrackprämie“ den ersten Platz vor “kriegsähnliche Zustände” und “Schweinegrippe” erreichen konnte.
Auf den weiteren „Wort des Jahres“ Plätzen 2009 folgen
4. Bad Bank
5. Weltklimagipfel
6. Deutschland ist Europameisterin
7. twittern
8. Studium Bolognese
9. Wachstumsbeschleunigungsgesetz
10. Haste mal’ ne Millarde?
P.s. Das Blogwort des Jahres wurde bei Egghat veröffentlicht. “Zensursula” kann zugegeben recht problemlos mit “Abwrackprämie” mithalten
Dez
16
2009
Der Deutsche Durchschnittsrentner bezieht über einen Zeitraum von 18 Jahren seinen Lebensunterhalt aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Diese Angaben entsprechen einer Auswertung der Deutschen Rentenversicherungs-Daten und ergeben – gegenüber dem Vorjahr – einen verlängerten Rentenbezugszeitraum von 0,6 Jahren.
Frauen beziehen 5 Jahre länger Rente
Unterschiedlich gestaltet sich nach wie vor die Bezugszeit der Rente, während Männer durchschnittlich 15,5 Jahre „in Rente“ sind, erhalten Frauen über einen Zeitraum von 20,4 Jahren Alters- oder Erwerbsunfähigkeitsrente was im Vergleich zu dem Jahr 1960 einem Anstieg von über 80 Prozent oder in Jahren ausgedrückt fast 10 Jahren Rentenbezugszeit entspricht.
In Anbetracht dieser Zahlen ist es eigentlich auch kein Wunder, dass der Staat Bürger dazu drängt eine eigene Altersvorsorge aufzubauen, denn immer weniger Junge müssen immer länger für einen wachsenden Bevölkerungsanteil der Alten die Rentenzahlungen finanzieren. Dies wird aller politischen Bekenntnisse zum Trotz eher nicht mit dem derzeitigen Rentenbeitrags-Niveau möglich sein und wahrscheinlich einer Anpassung der gesetzlichen Rentenbeiträge bedürfen.
Rente mit 67 Jahren logische Konsequenz?
Auch wenn niemand die Rente mit 67 Jahren gut finden kann, so erscheint es doch als logische Konsequenz die älteren Bürger entweder länger arbeiten zu lassen oder aber im Falle einer früheren Verrentung Abschläge auf die Rentenhöhe vorzunehmen. Dies scheint derzeit die einzige Möglichkeit die Finanzierbarkeit des Systems auf Dauer sicherzustellen. So umstritten die staatlich geförderte Altersvorsorge wie Riester-Rente oder Basis-Rente (Rürup-Rente) auch sein mag, massentaugliche Alternativen sind – zumindest aus meiner Sicht – weit und breit nicht zu finden, insofern mag die Kritik an einzelnen Produkten berechtigt sein, der grundsätzliche Ansatz selbst einen Kapitalstock für das Lebensalter aufzubauen ist aber nicht wegzudiskutieren.
Dez
14
2009
Das Zinstief macht sich nicht nur bei den Inhabern von Tagesgeld oder Festgeld-Konten bemerkbar, auch Lebensversicherungskunden werden das Jahr 2009 in eher schlechter Erinnerung behalten. Grund dafür ist die Ankündigung verschiedener Lebensversicherungen den Zinssatz auf die Lebensversicherungsguthaben der Kunden dem aktuellen Zinsniveau anpassen zu müssen.
Als erste Versicherung hatte bereits in der letzten Woche die Allianz Leben, Deutschlands Marktführer im Bereich der Lebensversicherungen angekündigt die Verzinsung senken zu müssen. Jetzt zieht auch die Württembergische Lebensversicherung nach und kündigt an die Gesamtverzinsung der Kunden im kommenden Jahr auf nur noch 3,9 Prozent zu setzen.
Grund für die schlechtere Entwicklung der Versicherungsguthaben ist das allgemein niedrige Zinsniveau, welches mittlerweile auch langfristig angelegte Guthaben in Form von Pfandbriefen und Staatsanleihen betrifft. Trotz der Absenkung der Verzinsung dürfen sich die Versicherungskunden allerdings auf eine überdurchschnittliche Verzinsung ihres Guthabens freuen, selbst der reduzierte Zinssatz von 3,9 Prozent entspricht einem Vielfachem dessen, was derzeit mit einem Tagesgeldkonto oder Festgeldkonto zu erzielen ist.
Nimmt man das Beispiel der täglich verfügbaren Staatsanleihen, die so genannte Tagesanleihe die derzeit lediglich 0,2 Prozent Zinsen bietet als (abschreckendes) Beispiel, so würde die WürttLeben tatsächlich den rund 19-fach besseren Zinssatz bieten. So gesehen sollte sich die Kritik an der Lebensversicherungsbranche tatsächlich im Rahmen halten. Klingt merkwürdig, ist aber tatsächlich so.
Dez
12
2009
Ende des letzten Jahres war das Mercedes Benz Bank Festgeld der absolute Verkaufsschlager. Kurz vor Jahresende mit einem Zinssatz von deutlich über 5 Prozent gestartet, verzückte es Kunden und brachte die Kundenbetreuung sehr bald zur Verzweiflung. So groß wurde die Nachfrage, dass die Bearbeitung der eingehenden Festgeldkonto Anträge sehr bald den Kundenservice und auch die Geduld der Kunden überstrapazierte. Bearbeitungszeiten von mehreren Wochen und eine unerreichbare Kundenhotline waren die Folge.
Diese Zeiten sind längst vorbei. Auch die Mercedes Benz Bank hat andere Möglichkeiten der Refinanzierung gefunden und ist nicht mehr alleine auf Neuanlagen der Kunden angewiesen. Das entspannt die Arbeitslast der Mitarbeiter und ermöglicht dennoch einen konkurrenzfähigen, aber nicht übermäßig hohen Zinssatz.
Ab 15. Dezember nur noch 1,75% Zinsen auf 12-monatiges Festgeld
Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter erstaunlich, dass die Mercedes Bank den Festgeld Zins zum 15. Dezember 2009 von derzeit 2 Prozent auf dann nur noch 1,75 Prozent absenkt. Auch dieser Zinssatz gehört zu den derzeit besten am Markt und wird sicherlich auch nach dem 15.12. neue Kunden zur Bank locken.
Wer sich aber in diesem Moment mit dem Gedanken trägt anstelle von Weihnachtsgeschenken lieber eine Geldanlage mit fester Laufzeit abzuschließen, der sollte sich bis zum 15.12. entscheiden und die wirklich guten 2 Prozent Festgeld-Zinsen für die nächsten 12 Monate einfach „mitnehmen“.
Dez
09
2009
Nur Stunden nachdem der Bundesrechnungshof die größten Steuerverschwendungen des letzten Jahres öffentlich gemacht hat und ausdrücklich kritisch mit den geplanten Steuersenkungen der Bundesregierung ins Gericht gegangen ist, dringen Gerüchte aus dem Verkehrsministerium, es gäbe doch konkrete Planungen zur Einführung einer PKW Maut.
Nach Informationen der Financial Times Deutschland sollen Fachleute des zu Toll Collect gehörigen Unternehmens Ages bereits mit eigens erstellten Einnahmen-Kalkulationen und Vignetten Vorschlagspreisen auf das Interesse der zuständigen Ministerien Fachbereiche gestoßen sein.
Auto-Maut könnte bis zu 4 Mrd. Euro Einnahmen pro Jahr erzielen
Gemäß den durch Ages erstellten Berechnungen wären Einnahmen von bis zu 4 Mrd. Euro pro Jahr durchaus realistisch, ein Anteil von ca. 800 Mio. Euro würden durch ausländische PKW-Fahrer im wahrsten Sinne des Wortes eingefahren.
Im Vergleich günstig sollen die Kosten für die Erhebung der Gebühr ausfallen. Nur rund 200 Mio. Euro soll die flächendeckende Erhebung der PKW-Maut kosten, ein Schnäppchen, betrachtet man die daraus zu erzielenden Erlöse.
Inwieweit die Bundesregierung tatsächlich Steuern senken würde um den Einnahmenverlust durch Verteuerung der Mobilität auszugleichen ist derzeit reine Spekulation, Einkommensnot und Wahlversprechen machen aber häufig erfinderisch. Würde diese neue Einkommensquelle jetzt erschlossen, könnte sich das Gemüt der vielen Millionen wählender Autofahrer vielleicht sogar bis zur nächsten Bundestagswahl wieder beruhigt haben.
Dez
04
2009
Muss der amtierende Bundesminister für Verteidigung, Karl-Theodor zu Guttenberg, seine Einschätzung zu dem Militärschlag in Kundus, Afghanistan. Amerikanische Kampfflugzeuge hatten dort unter Befehl des Deutschen Oberst Klein in einem nächtlichen Einsatz der dort stationierten ISAF Friedenstruppen einen von Aufständischen (Taliban?) entwendeten Tanklastzug mit zwei 500kg Bomben zerstören lassen.
Die auf diesen Einsatz folgende kommunikative Vernebelungstaktik seitens der Bundeswehr hatte vor wenigen Tagen den bis zur Bundestagswahl für den Bereich Verteidigung verantwortlichen – jetzt ausgeschiedenen Minister für Arbeit und Soziales – Franz Josef Jung zum Rücktritt bewogen. Dieser hatte die zu diesem Einsatz gehörigen Untersuchungsberichte schlicht nicht selbst gelesen und dennoch öffentlich kommentiert und an die NATO weiterleiten lassen. Die dort beauftragten Spezialisten erstellten daraus eine Lageeinschätzung, welche in ihrer vollen Dimension jetzt erst dem neuen Verteidigungsminister zu Guttenberg vollumfänglich bekannt gemacht wurde, nachdem dieser einen Tipp aus Journalistenkreisen erhalten hatte und trotz aller Nachfrage bei Rang hohen Bundeswehr Verantwortlichen auf Schweigen gestoßen war.
Ebenjene Rang hohe Mitarbeiter der Bundeswehr sind mittlerweile aus ihren Ämtern entlassen und zu Guttenberg ist seinem eigenen Anspruch für Transparenz zu Sorgen einen großen Schritt näher gekommen. Dass er gestern vor dem Bundestag seine Sicht auf die Vorgänge von Kundus und die Einschätzung der Soldaten vor Ort „Mit Bedauern korrigieren“ muss, muss man einem politisch Verantwortlichen wie zu Guttenberg sicherlich hoch anrechnen, bringt es doch ein bisschen der verlorenen Glaubwürdigkeit zurück. Seine Partei wie auch die Regierungskoalition wird dieses quasi Eingeständnis des eigenen Fehlers (er hatte Oberst Klein direkt nach seinem Amtsantritt von allen Fehlern freigesprochen) wahrscheinlich weniger zu schätzen wissen, dabei ist dieses Eingeständnis nun wirklich der einzige Weg aus dem verkrusteten System Bundeswehr eine moderne Verteidigungsbehörde zu machen und den Deutschen Soldaten die notwendige Rückendeckung seitens der Deutschen Bevölkerung zu verschaffen. Möge der Fehler von Kundus ein Wende in der Diskussion um und bei der Taktik für Deutsche Auslandseinsätze werden.